#2: Kein Hunger

Kein Mensch soll hungern
Viele Menschen haben zu wenig Essen.
Viele Menschen essen ungesund.
Alle Menschen sollen genug und
gesundes Essen haben.
Dafür müssen wir mehr Essen machen.
Wir müssen zum Beispiel
mehr Getreide und Gemüse anbauen.
Das müssen wir so machen,
dass es gut für die Umwelt ist.

Ликвидация голода

Никто не должен голодать. Многие люди имеют слишком мало еды . Многие люди питаются нездоровo. Все люди должны иметь достаточно здоровой пищи. Для этого мы должны производить больше продуктов. К примеру, мы должны выращивать больше зерновых и овощей. Это нам нужно сделать таким образом, чтобы не вредить окружающей среде.

Weltweit leiden 822 Millionen Menschen an Hunger, weitere zwei Milliarden gelten als unterernährt. Das Ziel ist es, bis 2013 allen Hunger und alle Formen von Mangelernährung weltweit zu beseitigen. Die bekannteste Form von Mangelernährung tritt auf, wenn nicht genug Lebensmittel zur Verfügung stehen, um den täglichen Kalorienbedarf des Menschen zu decken. Aber Mangelernährung tritt auch dann auf, wenn die verfügbaren Lebensmittel zu einseitig sind.

Ursachen für Hunger sind vielfältig. Naturkatastrophen und Dürren zerstören Ernten und treiben Lebensmittelpreise hoch. Häufiger jedoch sind es politische Gründe. Landraub durch globale Unternehmen zerstört die Lebensgrundlage von Kleinbauern; Spekulationen mit Lebensmitteln sorgen für künstliche Knappheit.

Hunger als Waffe
Im Krieg wird Hunger zur Waffe – im Syrischen Bürgerkrieg nutzten alle Kriegsparteien, vor allem der Diktator Bashar al-Assad die Taktik der Belagerung, um die Zivilbevölkerung durch Hunger zur Aufgabe zu bewegen. Aufgrund von Korruption und fehlender internationaler Hilfsbereitschaft ist auch die Versorgung in den
Flüchtlingscamps in den Nachbarländern Syriens katastrophal – oft bleibt Flucht nach Europa die einzige Option.

Ursache Ungleichheit
In unserer Welt ist Hunger ein Ergebnis von Ungleichheit. Eigentlich wird weltweit mehr als genug Nahrung produziert, um alle Menschen zu versorgen. Es gelingt nur nicht, diese gerecht zu verteilen. Hunger betrifft zuerst die Ärmsten. Auch in Deutschland ist Mangelernährung unter Kindern in armen Familien weit verbreitet. Die Hartz-4 Regelsätze reichen kaum aus, um eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen. Auch geflüchtete Menschen und ältere Menschen in Pflegeheimen sind betroffen.

In Deutschland sind besonders Migrant*innen ohne Arbeitserlaubnis und Arbeitsmigrant*innen aus dem EU-Ausland von Ausbeutung und schlechten Arbeitsbedingungen betroffen. In der Baubranche, in der Landwirtschaft und im Pflegebereich werden Wanderarbeiter*innen aus Ost- und Südeuropa unter Mindestlohn bezahlt oder komplett um ihren Lohn betrogen. Betroffene haben selten die Ressourcen, sich in langen und teuren Gerichtsverfahren dagegen zu wehren.

Das SDG 8 beinhaltet auch das in den Menschenrechten verankerte Recht auf Arbeit. Besonders Migrantinnen* und geflüchtete Frauen* sind mit verschiedenen Hürden und langen Wartezeiten nach der Migration konfrontiert, durch die ihnen das Recht auf Arbeit verwehrt wird. Viele werden dadurch in die Schwarzarbeit gedrängt. Darüber hinaus werden Abschlüsse und Qualifikationen von Migrant*innen nicht anerkannt. Dadurch werden sie gezwungen, Arbeit zu verrichten, die deutlich unter ihrer Qualifikation liegt. Eine weitere Folge ist, dass Migrant*innen in Institutionen, Behörden, Organisationen und Unternehmen stark unterrepräsentiert sind, besonders in Führungspositionen.

Das Feuer unserer Mägen

Eine Geschichte von Naya Fahd, inspiriert von einer wahren Begebenheit in einem Flüchtlingscamp.

Klarer Himmel, zu viele Leute, weiße Zelte, nackte Füße, leere Mägen. Das sind alles Details, an die ich mich von diesem schrecklichen Morgen erinnern kann.

In der Morgendämmerung mit dem Krähen des Hahns, der nur in meiner Vorstellung lebt, beging ich das erste Verbrechen des Tages: Der erste Schritt vor mein Haus, wie mein Sohn es nennt, oder eher mein Zelt, wie die offizielle Bezeichnung lautet.

Ich bin auf der Suche nach einem Happen zu essen, der als Verlängerungsdokument für meinen Aufenthalt hier dienen könnte – um noch einen Tag länger am Leben zu bleiben, oder vielleicht doch einen Tag weniger.

Nachdem mir die Energie ausgegangen war, nicht einmal 17 Schritte hatte ich geschafft, versuchte ich langsam zu gehen. Ganz im Gegensatz zum Klang des unerbittlichen Schreiens meines Magens, der an seine Existenz nochmal erinnern wollte. Mit Stimmen, die jedem hier so vertraut waren, es wäre so seltsam, wenn sie nicht mehr da wären. Ich dachte für einen Moment, es meinem Magen nach zu machen, um vielleicht etwas Energie zu gewinnen, so dass ich mein Ziel erreichen könnte. Aber ich änderte bald meine Meinung, weil ich nichts zum Anschreien hatte.

Nun, ich werde meinen Magen ignorieren, wie ich ihn immer ignoriert habe, oder besser gesagt, ich vergaß ihn, weil ich mich mit ihm versöhnte und ich ihn verstand. Ich wollte zu meiner Nachbarin im 7. Zelt, die Brot versteckt, damit die Sonne und der Wind nicht den Geruch ihres Brots stahlen. Ich konnte es aber trotzdem noch riechen, allein dadurch, dass ich es mir vorstellte.

Ich werde nicht leugnen, dass ich sie beneidete, als ich hörte, wie ihr Mann, während die Mägen aller Anwesenden schrien, ihr zuflüsterte, dass er ihr einen Laib gesichert hatte. Nicht etwa weil er romantisch war, sondern aus einem anderen Grund, der durch die Geräusche der leeren Mägen ihres Babys gerechtfertigt war. Ich kann auch nicht leugnen, dass ich ihr vergeben hätte, wenn sie mein Brot gestohlen hätte, allein dadurch, weil ich mich an ihre Stelle versetzte und mir vorgestellt habe, dass ich das hatte, was sie hatte.

Ich schwöre, dass ich ein Volk töten würde, damit ich das Brot mit meinen Kindern essen und es nicht mit jemandem teilen müsste. Ist es nicht komisch, wie menschliches Mitgefühl und Toleranz nur dann auftreten, wenn wir selbst in Tragödien verwickelt sind oder uns darin vorstellen?

Ich musste zurückgehen, bevor die Kinder aufwachten. Ich musste mich an einem Zelt anlehnen. Es ist das erste Mal, dass ich das Gefühl habe, dass es sich nicht wie mein Zelt anfühlt.

Der Boden und seine Steine und Zelte dürfen nicht in meinem Weg stehen. Obwohl sie mich früher oftmals behindert haben, liebe ich sie alle. Ich werde sterben, denn es ist klar, dass ich nicht noch eine Stunde hier bleiben werde, das ist nicht nur eine Tatsache, sondern ein Wunsch.

Diese Geschichte soll sich nicht wiederholen, und wenn es schnell kommt, ist es vielleicht das best möglichste Ende. Ich bin angekommen, und es gibt nichts zu sagen, außer dass die Sonne weh tut und der Schmerz mich voranbringt. Ich weckte die Kinder schnell und versuchte sie anzuziehen. Ich würde sie so gerne anziehen mit neuen, sauberen Kleidern. Aber sie haben nur die Kleidung, die schon tausend Mal getragenen wurde, trotzdem habe ich versucht, sie so schick wie nur möglich zu machen. Ich habe sie heftig geküsst. Ganz langsam komme ich wieder zu Sinnen. Sie riechen nicht wie immer, und doch liebe ich diesen Geruch so sehr. Also küsste ich sie mehr als je zuvor bis der Hahn wieder in meiner Vorstellung schrie und die Zeit verkündete.
Ein letzter Kuss, ein Streichholz, viele Pflanzen und ein Wunsch. Alles was ich brauchte, damit dieser Alptraum vollständig war.

Sobald wir mit der Beleuchtung und dem Licht begonnen haben. Oder in genaueren Worten die Flammen, bis mein Bauch und meine Gliedmaßen durch das Feuer der Erlösung zerstreut wurden.

Das Feuer wurde entzündet durch die Leere in unseren Mägen. Wir hatten Pech, denn unser Feuer war nicht stark genug und konnte unsere Nachbarn nicht daran hindern, uns zu retten und uns einfach unserem Schicksal zu überlassen. Ich hörte Schreie, ein Geräusch und das Wasser kam aus dem Nichts. So begann mein größter Alptraum bis ich die Stimme eines jungen Mannes hörte, der wie ein Engel schien und ihnen sagte was ich wollte. Er sagte ihnen, dass sie nicht versuchen sollten, das Feuer zu löschen, sonst würden sie meinen Fluch noch verschlimmern und ihn nicht beenden, sondern mich vor der Errettung bewahren, um mich zu einem doppelten Tod zu führen, der bereits geschehen war.
Nun, ich werde über den Vorfall lachen und positiv denken, ich wachte aus einem Alptraum auf, um mit einem verstümmelten Körper in das Labyrinth des lebendigen Todes zu gelangen, aber ich kann immer noch lächeln, weil ich meinen Magen nicht mehr spüre und weil ich endlich das Gewicht verloren habe, das ich vor Jahren verlieren wollte.

Ich weiß nicht, ob ich mit einem Wunsch ändern kann, was passiert ist, denn der Zauberstab, der die Wünsche erfüllt, wurde mit meinem Körper verbrannt. Aber ich weiß genau, dass das Feuer die beste Lösung war, weil sie besser zu unserer bitteren Realität passt. Es ist wahr, dass ich einen verzerrten Körper habe, aber ich sehe, höre und spreche immer noch. Ich fühle auch. Ich werde hören, sehen und reden, weil ich fühle. Aber ich vertraue darauf, dass der Tod mich beim nächsten Mal nicht enttäuschen wird.

Kategorien: SDGs

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